Fünf Fragen an den AGO-Betriebsrat

Fieberkurve, die Zeitschrift der ÖH MedUni Wien, hat zwei Kollegen des AGO-Betriebsrats interviewt. Wir dokumentieren das Interview hier.

Was passiert gerade bei Ihnen?

Florian To: Bis zu 550 unserer KollegInnen sollen 2014 gekündigt werden. Sogar eine Betriebsrätin ist vom Arbeitsplatzverlust betroffen. Der Hintergrund sind größere Umstrukturierungen im AKH und im gesamten KAV. Es soll eingespart werden und den Preis dafür sollen die KollegInnen zahlen. Die Arbeitsplätze werden entweder gestrichen oder durch so schlechte ersetzt, dass viele unserer KollegInnen nicht davon leben können.

Stefan Krainz: In den nächsten Monaten wird unsere Hauptaufgabe darin bestehen, die 350 KollegInnen die akut von der Kündigung betroffen sind bestmöglich auf ihren nächsten Schritten zu unterstützen.

Was haben Sie bis jetzt getan?

F.T.: Wir haben versucht gemeinsam mit den KollegInnen Proteste zu organisieren. Wir haben auch bei gewerkschaftlichen Veranstaltungen oder  auf öffentlichen Plätzen über unsere Lage diskutiert und auf die Verschlechterungen hingewiesen. Auch in einigen Medien wurde über unseren Fall berichtet. Wir haben gemeinsam mit KollegInnen zuständige Politikerinnen aus der Wiener Stadtregierung konfrontiert, die allerdings nicht gesprächsbereit waren.

S.K.: Im Zuge einer Protestkundgebung vor dem Rathaus haben wir gemeinsam mit Unterstützern der „Initiative Übernahme statt Fremdvergabe“ ca 4000 Unterschriften für die Übernahme unserer KollegInnen in ein Beschäftigungsverhältnis der Gemeinde an Vertreter der Stadtregierung übergeben. Leider ohne den gewünschten Erfolg.

Was sagen die betroffenen KollegInnen?

F.T.: Ein großer Teil der KollegInnen arbeitet schon lange über verschiedene Firmen im AKH. Sie sind eingearbeitet und erledigen ihre Arbeit verantwortungsbewusst. Deshalb verstehen sie nicht warum sie gekündigt werden sollen.

S.K.: Viele sind stolz darauf, dass sie für ihren Arbeitsplatz gekämpft haben, bei etlichen überwiegt aber die Verzweiflung. Der Großteil unserer Belegschaft besteht aus Frauen und viele haben Migrationshintergrund. Es ist leider so, dass sich dadurch die Chancen, vor allem für die älteren KollegInnen, verringern einen neuen Job zu bekommen.

Sehen Sie Auswirkungen auf den Gesundheitsbereich?

S.K.: Die Auswirkungen sind naheliegend. Wenn man in einem Bereich in dem ziemlich jede Berufsgruppe über Überlastung klagt, Stellen abbaut und die so entstandene Mehrarbeit einfach nur auf die verbleibenden Beschäftigten aufteilt, wird dieses System nicht lange funktionieren. Noch dazu wenn durch ständigen Zeitdruck und wartende Arbeit die Zeit für diejenigen immer geringer wird, um die es in einem Krankenhaus eigentlich geht, die PatientenInnen.

F.T.: Es gibt in Wien die Entwicklung, dass immer mehr Bereiche aus dem öffentlichen Bereich ausgelagert und an private Firmen übergeben werden. Das hat Auswirkungen auf alle Beschäftigten. Es entsteht oft die Situation, dass auf einer Station KollegInnen die selbe Arbeit machen, aber bei unterschiedlichen Firmen mit anderen Verträgen beschäftigt sind und auch nicht den selben Lohn bekommen. Generell können wir feststellen, dass sichere Arbeitsverhältnisse in der Gemeinde abgebaut werden und dafür immer mehr unsichere Jobs entstehen.

Was sollte aus Ihrer Sicht passieren?

F.T.: Wir sehen die Stadtregierung in der Verantwortung für gute und sichere Jobs und eine gute Gesundheitsversorgung zu sorgen. Aus unserer Sicht ist die einzige saubere Lösung, dass die Leiharbeiterinnen in die Gemeinde übernommen werden, anstatt alle paar Jahre hunderte KollegInnen zu kündigen und neue aufzunehmen. Auch sind wir gegen Personalreduzierungen, sondern für eine ordentliche Ausfinanzierung des öffentlichen Gesundheitswesens.

S.K.: Als LeiharbeiterInnen haben wir eine schwache Position, deshalb müssten alle Beschäftigten im Gesundheitsbereich gemeinsam und solidarisch für ihre Rechte und bessere Verhältnisse eintreten.

Wenn wir ernst genommen werden wollen, müssen wir mehr Druck aufbauen und unsere Anliegen besser sichtbar machen. Darum auch vielen Dank an die „Fieberkurve“ für die Möglichkeit mit diesem Interview gleich ein paar tausend interessierte Studierende erreichen zu können.

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